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Fletchern

Pfeile herstellen ist eine der schönsten Dinge die es gibt


Immer wieder las ich oder hörte ich von anderen Bogenschützen die Ihre Pfeile selber herstellen, das diese Pfeile wie von magischer Hand ins Ziel geführt wurden. Hurra, wir befinden uns im Reich der Mythen und Legenden, oder?

Nur Übung,Übung,Übung macht den Meister und mit einem guten Pfeil übt es sich auch besser und wer erst einmal den wunderbaren Geruch von Oxfordzeder gerochen hat, bei dem Längen von Schäften, weiß wovon ich hier schreibe. Wenn die Tage kürzer werden und draußen der Sturm tobt finde ich meine Ruhe und Kraft beim Herstellen meiner eigenen Pfeile. Ich habe wie viele andere vor mir eines Tages angefangen meine Pfeile selber zu machen.Nun stellte sich für mich die Frage: Was brauche ich eigentlich um meine Pfeile selber zu machen?

Sehr geehrte Leserschaft eine Kettensäge und Wald zum Roden ist nicht notwendig es geht viel leichter.
Mindestens 12 Schäfte (ich bevorzuge Holzschäfte), 36 Federn, 12 Spitzen und 12 Nocken, Kleber,Beize,Klarlack.
Das wäre die Material - Einkaufsliste für 12 Pfeile, nun die Werkzeuge:

1. Anspitzer in der entsprechenden Größe am häufigsten werden 5/16" und 11/32" benötigt.
2. Hochwertige 1cm Breite Lackpinsel am besten gleich 2-3 Stück.
3. kl. Bügelsäge zum Längen von Schäften
4. Zange zum Aufschrauben der Spitzen (nur wenn man mit TopHat Spitzen arbeitet, SEHR EMPFHELENSWERT !!! )
5. Befiederungsgerät

Nun stellt sich die Frage woher beziehe ich die Materialien und Werkzeuge um meine Pfeile selber herstellen zu können?

Fachhandel für Bogensport, Baumärkte,Drogeriemärkte, Jäger,Angler,Bauern,Freunde, Bekannte, Nachbarn sowie Familienangehörige genau in dieser Reihenfolge war es bei mir.
Die allermeisten Dinge über den Fachhandel für Bogensport zB. Federn, Nocken, Spitzen, Werkzeuge etc.
Bügelsäge,Pinsel ,Lasur,Beize oder Lacke vom Baumarkt.
Es ist also nicht nötig von der netten älteren Nachbarin nebenan dem Wellensittich oder Papageien die Flügel auszureißen um so an Federn zu kommen oder das Schmiedeeiserne Gartentor vom Nachbarn zu zocken um sich daraus Pfeilsptzen zu machen, das ist VERBOTEN !!!

Nun die einzelnen Arbeitsschritte:

1. Anspitzen des Schaftes um dort später die Nock oder Spitze festzukleben ( außerTopHat Spitzen sehr Empfhelenswert !!! )
2. Beize oder Lasur auftragen 1- 2mal, jenachdem welchen Farbton man haben will.
3. Klarlack auftragen oder tauchen 1 bis mehrmals
4. Nock aufkleben
5. Schaft kürzen nach persönlicher Länge
6. Spitze aufschrauben oder kleben
7. Befiedern

Als Kleber für die Nocken verwende ich Uhu Hart und ich bin bisher sehr zufrieden. Für die Federn benutze ich Saunders Kleber, gibt es im Bogensportfachhandel.
Meine Schäfte sind 11/32" Zedern oder Kiefernholz mit einem Spine Wert für 45 lbs. Bogen (Meine Bogen haben 40 lbs. dazu später mehr ! )
TopHat Spitzen 100 Grain zum aufschrauben
5" Federn Shieldform (man kann aber auch andere Federformen nehmen, dazu später mehr.)
Für das Feld und 3D schießen nehme ich fluorenzierende Nocken, dass hilft mir, meine Pfeile im Unterholz besser wieder zu finden.

Wie ermittel ich meine Pfeillänge ?

Die preiswerteste Art, man nehme einen seiner alten Fertigpfeile, im allgemeinen sind diese zwischen 30" - 31" lang schiebt über die Spitze einen Bierdeckel oder ein Stück Pappe  ca. 20 cm und zieht mit dem schußbereiten Bogen bis man seinen gewohnten Ankerpunkt erreicht hat. Nun schiebt sich der Bierdeckel automatisch nach vorne. Da wo der Bierdeckel stehen bleibt mache ich mit Filzstift eine Makierung und nun habe ich meinen Messpfeil mit meiner Auszugslänge, für den Bogen mit dem ich gemessen habe. Je nach Bogenart kann die Auszugslänge etwas variieren.

Wie funktioniert ein Befiederungsgerät ?

Eigentlich alle gleich vom Prinzip. Ich benutze das Jojan 6fach Befiederungsgerät und habe dadurch eine enorme Zeitersparniss.
Ich stecke in jeder Klammer eine Feder und lass den Federkiel 1 - 2 mm herausgucken so das später kein Kleber an die Klammer kommt.
Am Befiederungsgerät habe ich drei Möglichkeiten zur Einstellung, ich nehme die Standard Dreifach 120° Einstellung. Dann nehme ich meine fertigen Schäfte mit Nock und Spitze und klemme die Nock  in den  Einstellknopf. Nun bestreiche ich die Federkiele in den Klammern mit Kleber und schiebe eine Klammer nach der anderen in den dafür vorgesehenden Führungsschlitz. Jetzt setzt sich  der Federkiel gleichmäßig stark von oben auf den Schaft. Zeit für eine Tasse Tee !!!

Nach 15 Minuten nehme ich vorsichtig die Klammern aus dem Gerät und siehe da ich bin Besitzer von 6 Pfeilschäften mit Leitfeder nun drehe ich am Einstellknopf bis zur nächsten Rasterrung und habe dann genau 120° weitergedreht und jetzt geht es wieder von vorne los in jeder Klammer eine Feder usw.usw.
So hat man in knapp einer Stunde ein 6er Satz selbstgemachter Pfeile.

Nun möchte ich zum Abschluss nochmals auf den schon oben erwähnten Spinewert von Pfeilschäften eingehen. Ich schiesse im allgemeinen mit einem meiner 40lbs. Bogen und habe dabei die Erfahrung gemacht  den Spinewert der Schäfte etwas höher zu wählen also gebe ich dem Händler 45lbs. an ( deswegen weil die Schäfte oftmals grobe Abweichungen haben und Handgespinte Schäfte teuer sind.) und siehe da, tolle Ergebnisse im Pfeilpflug.
Der geneigten Leserschaft möchte ich noch mitteilen das dieser Tip ohne Gewähr ist.
Es beruht auf meine Beobachtungen und Erfahrungen, nicht unerwähnt bleiben muß auch, dass der Pfeilpflug von Bogenart, Sehnenmaterial und Stranganzahl sowie die richtige Nock sehr entscheidend sind und alles ist bei mir aufeinander abgestimmt.

Was nun die oben erwähnten  Federformen angeht dies ist eine reine Geschmacksache ob ich Old English Style, Parabol oder Saxton Pope etc. von der Federform her benutze, ebenso ob ich Rechte oder Linke Flügelfedern benutze den Pfeilpflug beeinflusst es meiner Erfahrung nach nicht.

Was aber Entscheidend ist von welchem Vogel ich Federn benutze. Durchgesetzt haben sich Weltweit Truthahnfedern. Was aber nicht davon abhalten sollte auch andere Federn auszuprobieren. Ich las einmal in einem Buch über mittelalterliche Befiederungen, dass der damalige König in England den Befehl ans Volk herrausgab das alle Gänsefedern an die Regierung abgegeben werden mußten zur Befiederung der Pfeilschäfte. ( Kriegsvorbereitung ! )

Also besorgte ich mir ganze Gänsefedern und machte mir mehr Recht als Schlecht drei Pfeile mit schönen weißen Gänsefedern. Da ich zu diesem Zeitpunkt noch keine Federstanze besaß, ließ ich die Federn in Ihren natürlichen Form. Mitlerweile habe ich alle drei Pfeile ca. 100mal beschoßen und ich liebe sie. Als Jagdpfeile völlig unbrauchbar da der laute Sound jedes Wild in die Flucht jagen würde bevor der Pfeil angekommen wäre. In Deutschland ist das Jagen mit Pfeil und Bogen Verboten !!! Aber noch schöner ist für mich das ich diese Pfeile selbst im höchsten Gras und tiefsten Unterholz wiedergefunden habe.
 
Was ich damit sagen will, Probieren geht über Studieren. Schwanenfedern, Adlerfedern,Bussardfedern etc. alles geht, aber bitten möchte ich die geneigte Leserschaft bei der Beschaffung solcher Federn den legalen Weg zu gehen. Die da wären:
Jäger, Falkner, Bauern (Geflügelzüchter), Zoologische Gärten, Internet etc.

Nun bleibt mir nur noch die Hoffnung das sich Bogenschützinnen wie Bogenschützen durch meinen Artikel ermutigt fühlen sich in naher Zukunft daran zu wagen die eigenen  Pfeile herzustellen.
Viel Gold Reitus

P.S. Ein weiterer Artikel über Mittelalterlicher sowie Früheisenzeitlicher Pfeilherstellung  ist in Arbeit !!!